Herbe Niederlage gegen Delmenhorst, aber "Jugend forscht" erfolgreich
In der zweiten Oberligarunde empfingen wir Delmenhorst im GN-Forum. Zu unserer Überraschung kamen die Gäste in absoluter Bestbesetzung und da wir gleich dreifachen Ersatz benötigten, waren wir recht klar Außenseiter und an jedem Brett nominell schwächer, teilweise bis zu 300/350 Punkten an den hinteren Brettern. Insgesamt war die Niederlage folgerichtig, wenn auch etwas zu hoch.
Rein ins Geschehen:
Brett 3:
Timo kam mit schwarz sehr gut in die Partie und spätestens als sein Gegner das Läuferpaar gab, war Timo etwas besser. Doch er wollte es zu forciert vorantreiben und gab das Läuferpaar zurück und übersah den gegnerischen Konter, der es für Timo schwer spielbar machte. Zwar schien die Stellung nachdem Timo Dame gegen TL gegeben hatte aufgrund eines Freibauern noch halbwegs spielbar, doch ein Fehler kommt selten allein und ein grober Schnitzer beendete die Partie zu, 0-1.
Brett 1:
Frank spielte in der Eröffnung zunächst solide, hätte womöglich einen frühen g5-Ausfall am K-Flügel wagen sollen, aber nun Gut. Als sein Gegner Franks Zentrum anknabberte schlug Frank den Bauern und behielt einen schwachen Einzelbauer übrig, kurz danach war er weg. In schon sehr schwerer Stellung kam eine weitere Ungenauigkeit, die gegen den starken GM direkt die Partie kostete. Schade 0-2.
Brett 2:
Frits musste sich mit einem klassischen Sizilianer auseinandersetzen. Lange Zeit plätscherte die Partie vor sich hin, mit leichten optischen Vorteilen (die keine waren) für Frits. Doch ein starkes Bauernopfer von seinem Gegner und sein Kontrahent öffnete die Stellung für seinen Läufer und hatte volle Kompensation. Aber dann kam sie doch, den Springer ins Zentrum stellen (statt Richtung Rand) und es hätte berechtigte Hoffnungen auf den vollen Punkt gegeben. So mündete die Partie schließlich in einem Dauerschach. 0,5-2,5
Brett 5:
Paul neutralisierte sich knapp 20 Züge mit seinem Gegner. Doch ein unbedachter Turmzug, gab ihm zwar das Läuferpaar, aber auch extreme Bauernschwächen, die sein Gegner direkt einsammeln konnte. Die "Maschine" mag zwar die Aktivität am Damenflügel noch einige Züge als Kompensation gelten lassen, aber menschlich war es nicht einfach und so griff Paul fehl und verlor weiteres Material.
Brett 4:
Bei meinem Anti-Sizilianer schien die Partie zunächst vor sich hin zu plätschern, doch zeigte sich, das ich den "komischen" Zentrumsvorstoß meines Kontrahenten womöglich hätte doch "bestrafen" können. Naja es tauschten sich Figuren und wir bekamen ein Bauernendspiel aufs Brett. Objektiv natürlich Remis, aber beide können fehlgreifen. Nun ich rechnete eine Variante wo das Wettrennen sofort im Remis mündet. Mein Gegner "vergisst" den Schlagzug und ich hatte den "Lucky Punch" auf dem Brett. Da ich mich aber mit Remis abgefunden hatte, blitze ich die berechnete Variante zu Ende und es stand 1-4.
Hier kam zuletzt Kb4 und nun hätte der Durchbruch g4! gewonnen ...
Trotz des deutlichen Rückstands machten wir uns noch leichte Hoffnungen auf einen Mannschaftspunkt, da alle 3 Ersatzleute ihre Sache wirklich gut machten!
Brett 8:
Jan spielte am achten Brett lange Zeit eine tolle Partie. Er gewann Raum, belagerte perfekt einen Isolani und schien alles im Griff zu haben. Ein mutiger Springerausfall kostete seinem Gegner einen Bauern (zugegeben hatte er L-Paar-Kompensation). Doch Jan blieb weiter cool und schien das Brett hier noch zu kontrollieren:
Hier sollte weiß leichten Vorteil haben, zB mit ruhigen Zügen wie Df2 (überdeckt c2). Doch die Zeit wurde knapp und so ließ Jan sich hier zu f6 hinreißen, was den Vorteil weggibt. Denn: Lxc3 Lxc3 d4! würde den Turm aktiv werden lassen. Leider übersah Jan das nach Txc3 Dd2 direkt eine Figur weg war, schade! Somit stand es 1-5 und es sollte noch schlimmer werden ...
Brett 6:
Hans baute sich mit weiß sehr solide auf, beantwortete den Angriff am Damenflügel mit einem Vorstoß im Zentrum (wie es in den Büchern steht) und hatte dann die erste Taktische Chance ergriffen:
Sxf7! Mit Qualitätsgewinn
Doch sein Gegner spielte trickreich und mit Läuferpaar weiter, aber der Vorteil hatte weiter bestand. Nur hätte Hans in der Folge besser nicht die zweite "Qualle" mitgenommen. So hatte sein Gegner ein brilliantes Angriffsspiel und verteidigen ist bekanntlich schwerer als anzugreifen. Mit wenig Restbedenkzeit dann der entscheidende Fehler und auch die Partie wurde noch verloren. 1-6
Brett 7:
Am meisten Spaß am Schach hatte dann wohl Anna :), wie immer spielte sie am längsten (wenn Ludger nicht dabei ist). Nach etwas missratener Eröffnung stand sie etwas passiv und bedenklich. Aber sie blieb kreativ und befreite sich ein wenig und nutzte den ersten Fehler ihres sehr starken Gegners direkt aus.
Hier kam zuletzt Se4 (Se6 hätte den weißen Vorteil gewahrt)
Hier folgte dann c3! Sxc3 Lg4 Dh4 g5! Dh6 und mit Lxd1 war die Qualle gewonnen. Als Anna kurz darauf auch den Freibauern einsammelte schien der Coup greifbar. Sie bewahrte lange den Vorteil auch wenn sie ein paar konkrete Gewinne ausließ und mit knapper werdender Zeit erlaubte sie ihrem Gegner wieder Gegenspiel.
Hier vergibt das logische De7 den Vorteil, wg Sg4 T8d7 Se6 und schwarz muss extrem aufpassen. Den Vorteil hätte Dg6 gewahrt!
Nun zu unserem Glück verpasste auch ihr Kontrahent den Gewinn und so mündeted die Partie im Turmendspiel (mit Minusbauer). Dieses hielt Anna dann nach über 90 Zügen und 5,5 Stunden zum dennoch starken Remis!
Als nächstes müssen wir am 1.12. in Uelzen antreten.
Was geschah sonst so:
Kirchweyhe schlug in Topbesetzung unseren nächsten Gegner mit 7-1. Hellern musste in Bremen das nächste 2-6 schlucken. Lister Turm siegt souverän mit 6-2 in Osnabrück. Oldenburg sichert sich beim 5,5-2,5 gegen Lehrte den ersten Saisonsieg.
Fabian Stotyn