Sensation in Willingen: Anna holt sich den DM-Titel!
In der vergangenen Woche war abermals das Sauerlandsternhotel Gastgeber der deutschen Jugendmeisterschaften. Im elften Anlauf schaffte es Anna mit starkem Schach und tollen Zügen mit grandiosen 8 Punkten den Titel zu sichern.

Gleichzeitig konnte sie die Zeit in Willingen auch nutzen um außerschachliche Aktivitäten zu unternehmen. Wer alles über ihre letzte DEM wissen möchte braucht ein wenig Zeit :):)
Die Qualifikation zur DEM misslang, ein kurzes Zittern um die Bestätigung des Freiplatz begann. Aber am Ende wurde sie ins Turnier zugelassen und startete die 9 Runden von Setzlistenplatz 6 (von 30 Spielerinnen).
Also war die schachliche Ausgangssituation dieselbe wie in den letzten Jahren, sie startet im Verfolgerfeld und braucht konstant gute Leistungen um ihren 4.Platz vom letzten Jahr toppen zu können.
Runde 1 gegen Dzvinka Gyácsok (DWZ 1667):
Gut das man die Auslosung schon vorher ausrechnen konnte (Die Farbe leider nicht), so das wir (Anna und Fabian) uns schon einige Tage vor dem Turnier mit der Gegnerin beschäftigt hatten. So fiel die abendliche Vorbereitung für Runde 1 etwas kürzer aus. Dafür ging es ausgeschlafen ans Brett. Anna überraschte mit einem frühen e5-Vorstoß ihre Kontrahentin und stand schnell sehr gut und eroberte einen Bauern.

Da schaute sie auch noch ein bisschen "böse" :)
Aber oje, ein schlechtes Zeitmanagement bringt sie in Probleme. Tatsächlich stellt sie in Zeitnot gleich 2 Bauern ein und muss ein Turmendspiel mit Minusbauern verteidigen. Aber das Glück ist mit den do.... :). Die Gegnerin will kein Remis, überzieht die Stellung und Anna gewinnt einen Turm zum Auftaktsieg.

Hier folgte Kd2? und der Turm fiel kurz danach ...
Runde 2 gegen Viktoria Preißler (1796):
Es gab eine Doppelrunde zum Auftakt, so dass wir nur wenig Zeit für die Vorbereitung hatten. Aber was soll ich sagen. Nach 10 Zügen Vorbereitung gewann Anna in Zug 14 bereits die Dame und damit sofort die Partie. Da konnte man auch keine künstliche Spannung aufbauen.

Runde 3 gegen Lin Englert (1789):
Am nächsten Nachmittag ging es dann weiter mit Runde 3. In der Eröffnung gab es eine kleine Überraschung, dennoch machte es Anna gut und brachte alle Klötze ins Spiel. Doch es gab einige kritische Momente als sie objektiv gesehen zu sehr zaubern möchte und im höheren Sinne auf Verlust stand. Aber es bestätigte sich mal wieder die These "Angreifen ist einfacher als Verteidigen", so gewann Anna sogar einen Bauern.

Nach exf4 folgte Lxf3 und man bekommt die Figur auf d4 zurück
Doch zum zweiten Mal wurde ihr das nicht so gutes Zeitmanagement zum Verhängnis. Denn trotz eines glatten Mehrbauern gab sie die Partie einfach Remis, anstatt es zumindest zu versuchen ...

Die Skepsis sieht man ihr noch an
Zugegeben das war schachlich kein gutes erstes Turnierdrittel gegen 3 nominell schwächere Gegnerinnen! 2x ganz schlechtes Zeitmanagement, Runde 1 extrem Glück gehabt, das Positive ist aber die Punktzahl stimmt mit 2,5/3. Es gab zu diesem Zeitpunkt nur noch Topfavoritin Helena Neumann und Ana-Maria Bursan mit weißer Weste.
Runde 4 gegen Veronika Lorenz (DWZ 1968):
Wir hatten 2 Matchpläne ausgearbeitet. Einen etwas ausführlicher mit klarer Zugfolge und einer mit einem klaren Angriffsplan ohne konkret zu werden. Es kam zweiteres aufs Brett und Anna spielte die beste Angrifspartie ihres Lebens. Sie pushte trotz eigener kurzer Rochade f4 g4 g5 f5 und dann sogar das Bauernopfer f6 aufs Brett.

Ich habe leider keinen Superlativ, der die Leistung würdigt. Kurz darauf gewann Anna dann die Qualität und wirklich alle Figuren der ehemaligen deutschen Meisterin standen schlecht. Gepaart mit starker!! (Manchmal hört sie ja doch auf mich :) ) Zeiteinteilung holte sie den verdienten Sieg.
Runde 5 gegen Helena Neumann (DWZ 2026):

Am Mittwoch gab es dann die zweite Doppelrunde. Es ging zunächst gegen die Topfavoritin und Anna war erneut bestens präperiert und bekam von unserem Gasttrainer Justus Bargsten eine nette Variante mit auf dem Weg. Sie setzte es erneut super um und es war 39 Züge eine extrem hochklassige Partie von beiden Seiten. Anna konnte alle Angriffsversuche stark abwehren, gewann zwischenzeitlich sogar einen Bauern. Aber die Favoritin hatte starke Kompensation.

De5 und Anna kann aufgeben, aber es folgte De4, es droht einiges aber Anna ist nun mit Dc1 usw schneller und siegte kurz danach
In Zug 39 dann Drama: Statt einen Turm vom Brett zu nehmen und das Remis im verbleibenen DT-Endspiel zu forcieren, stellte Anna theoretisch ein. Doch nur 2 Züge später nutzte ihre Gegnerin die Chance nicht und Anna konterte mit einem forcierten Damengewinn. Dadurch sprang Anna mit 4,5 Punkte alleine an die Spitze des Feldes.
Runde 6 gegen Nora Heidemann (DWZ 1928):
Gegen die Titelverteidigerin aus dem letzten Jahr hatte Anna auch eine klare Partieanlage im Kopf. Im elften Zug griff Nora dann schon fehl und Anna hatte eine fette Stellung auf dem Brett. Sie sah weiterhin sehr viele Sachen und beendete das Match nach nur 22 Zügen mit einer tollen taktischen Kombination.

Sxe6 war so stark!
Das zweite Turnierdrittel war Weltklasse! Siege gegen die beiden nominellen Favoriten, sowie gegen die Titelverteidigerin! Keine Zeitprobleme mehr und nur starke Züge im Kopf.
Anna führte das Feld nun bereits mit einem Zähler Vorsprung an, da die Konkurrenz sich an Brett 2 remis trennte. Natürlich fingen nun die Träume an ...
Runde 7 gegen Laura Czäczine (DWZ 1936):

Das Grinsen war zurück :)
Da man nun auch die Turniersituation im Blick haben musste, spielte Anna nun die russische Eröffnung um erst einmal den Fokus auf den Ausgleich zu haben. Dieses Vorhaben gelang auch größtenteils, sie hielt die Stellung im Gleichgewicht und als ihrer Gegnerin nicht mehr viel einfiel konterte Anna mit einem coolen Damenmanöver und eroberte sofort 2 Bauern mit einigen Doppeldrohungen.

Nach b3 fällt erst der d4 und nach c3 eben der zweite Bub
Die Verwertung war bei ihrem schachlichen Niveau der letzten Tage wenig überraschend wirklich souverän. Die Konkurrentinnen nahmen sich fleißig weiter die Punkte ab. 2 Runden vor Schluss hieß es 1,5 Punkte Vorsprung für Anna vor Nora und 2 Punkte Vorsprung vor 7 weitere Spielerinnen.
Runde 8 gegen Ana-Maria Bursan (DWZ 1918):
Oha, Anna spielt 1.d4 ;) wie kann das nur ... Es kam die erwartbare Slavisch Abtauschvariante, wo Anna eine frühe Ungenauigkeit ihrer Gegnerin nicht bestrafen konnte. Dennoch war alles im Lot. Am Nachbarbrett verlor Nora sehr früh ihre Partie. Somit braucht Anna nur noch einen halben Zähler für den Titel. Um Zug 20 stellte ihre Gegnerin dann objektiv die Partie ein. Anna holt sich 2T vs Dame und hat starken Angriff. Doch als Ana-Maria ihr Remis bot, konnte sie natürlich nicht widerstehen.

Das hat Anna als letztes gesehen bevor sie deutsche Meisterin wurde
Somit war klar:
Anna ist deutsche Meisterin 2026! Gratulation vom SKNB!
Dennoch gab es noch eine Runde zu gehen und natürlich sollte man sportlich fair das Turnier beenden und nichts verschenken.
Runde 9 gegen Stela Moldovan (DWZ 1805):
Zum 8.mal kam die erhoffte Eröffnung und Anna glich schnell mit den schwarzen Steinen aus und übernahm früh die Initiative. Im 17.Zug kam dann schon ein Qualitätsgewinn und naja sie führte auch diese Partie bis zum Ende megastark zum 7.Sieg!
Unglaubliche 8 Punkte standen somit auf ihrem Konto, niemand holte in Willingen mehr Punkte, einzig die u10w-Meisterin kam ebenfalls auf 8 Punkte.
Somit endet ihre Jugendeinzelkarriere mit dem deutschen Meistertitel auf den wir über 10 Jahren hingearbeit haben. Es gab immer wieder kleine Hürden die wir meistern mussten und spätestens seit dem 29.Mai um 11 Uhr war klar: Der ganze Aufwand hat sich gelohnt! Als Trainer bin ich unglaublich stolz auf die Leistung die Anna in diesem Turnier geleistet hat.

Gute Laune auch bei der Prep, na wer errät welche Runde das war :)
Es waren aber nicht nur die schachlichen Elemente die zu dem tollen Ergebnis geführt haben.
So unternahm Anna mit ihren Freundinnen auch einige außerschachlichen Aktivitäten wie beim Besuch der Rodelbahn, beim Bogenschießen oder auch einfach beim Karten spielen u.v.m..

Ob Anna auch im Bogenschießen noch einen Titel holt?
Aber natürlich gab es auch schachlich viele Punkte die zu diesem Traumergebnis geführt haben.
Die vielen getroffenen Vorbereitungen wurden schon angesprochen, und dabei haben wir eigentlich nie länger als 30-45 min geprept, selbst als der Titel zum Greifen nah war, sind wir von dem Konzept nicht abgewichen.
Durch die 3 extrem schnellen Weißsiege in den Runden 2, 4 und 6 konnte sie entscheidende Kräfte sparen.
Die Lockerheit und das freie Aufspielen setzte viele bisher ungenutzte Kräfte frei, die sie spätestens ab Runde 4 vollends ausspielen konnte.
Zu guter letzt (auch wenn sie es nie zugeben wird :):) dass das "Gute-Laune"-Motto der NSJ dann doch ganz gut war und sie tatsächlich über die per Brettpost geschickten Anti-Witze zumindest immer mit einem kleinen schmunzeln oder Augen rollen positiv in die Partie ging.
Durch den Titel qualifiziert sie sich eigentlich auch für die Welt- oder Europameisterschaft. allerdings ist die WM bereits in 2 Wochen und natürlich war das nicht planbar. Aber hoffentlich geht es vom 2.-13.November dann zur Jugend-EM auf Kreta.
Es dürfte nun der fünfte deutsche Meistertitel für den SKNB sein:
- DVM 2007: u14w (Katharina, Christine, Annika, Wiebke, Marina)
- DVM 2008: u14w (Steffi, Wiebke, Marina, Sarah, Lena)
- DEM 2020: u16w Sophia Brunner
- DVM 2023: u20w (Anna, Nicole, Sophia, Lulu)
- DEM 2026: u18w Anna Wilmink
Hinzu kommen 2 Schulschachtitel mit SKNB-Spielern (Deegfeld Realschule 2011 + Gymnasium Nordhorn 2016)
Das der Titel mit all dem Geschriebenen nichts zu tun hat belegt dann folgende Interpretation:
Anna`s Lieblingszahl ist 11, sie hat am 11.1. Geburtstag, sie gewann bei dem Turnier 111 DWZ-Punkte und natürlich war es der 11.Anlauf wo es mit Platz 1 geklappt hat.
Es war also alles schon vorher klar :):)
Fabian Stotyn
PS: Der Turnierbericht von Jan folgt in vermutlich 2 Tagen ...
